#22: Unternehmensnachfolge: Muss ich das wirklich übernehmen?
Shownotes
Unternehmensnachfolge – eine Selbstverständlichkeit oder eine bewusste Entscheidung? Viele Kinder aus Unternehmerfamilien stehen vor der Frage: Soll ich in die Fußstapfen meiner Eltern treten oder meinen eigenen Weg gehen? In dieser Folge spreche ich mit Sabrina Schneider, die sich gegen die Übernahme des Familienbetriebs und für ein freies, selbstbestimmtes Leben entschieden hat.
Wir sprechen über gesellschaftliche Erwartungen, innere Konflikte und die Herausforderung, auf die eigene innere Stimme zu hören. Welche Rolle spielen körperliche Signale, und wie gelingt es, eine Entscheidung zu treffen, die wirklich glücklich macht?
Wenn du dich mit dem Thema Unternehmensnachfolge beschäftigst – sei es als Nachfolger:in oder als Unternehmer:in, der eine Lösung sucht – dann ist diese Folge für dich!
Herzliche Grüße dein Andreas.
Zu meinem Gast
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00:00:00: Unternehmensnachfolge: Will ich das überhaupt?
00:00:04: In dieser Folge geht es darum, eine andere Perspektive zu bekommen
00:00:08: in der Unternehmensnachfolge beziehungsweise auch, ja,
00:00:12: eine andere Darstellung, eine Erweiterung, eine Wahlmöglichkeit zu bekommen.
00:00:18: Und ich freue mich mega, dass die Sabrina heute da ist.
00:00:20: Ja, hallo. Schön, dass du da bist.
00:00:23: In dem Thema geht es um die Sichtweise, ich sage es mal bewusst, des Kindes
00:00:30: in der Unternehmensnachfolge.
00:00:32: Will das Kind die Nachfolge oder will es nicht?
00:00:35: Also der Nachfolger oder die Nachfolgerin.
00:00:38: Und was passiert denn da?
00:00:40: Und aber auf der anderen Seite aber natürlich auch die Perspektive:
00:00:44: Was passiert dann mit den Eltern?
00:00:45: Also was passiert mit demjenigen oder mit denjenigen, die das Unternehmen übergeben
00:00:51: wollen, also weiterführen wollen?
00:00:53: Und ich glaube, das ist mal eine ganz spannende Perspektive, weil Sabrina nicht
00:00:58: die Nachfolge angetreten hat, sondern ihren eigenen Weg gegangen ist und, ja,
00:01:03: ihr eigenes Leben ganz wundervoll lebt, schöne Perspektiven dabei hat.
00:01:08: Und da freue ich mich mega auf die, ich sage jetzt mal, nächste halbe
00:01:11: Stunde, 20 Minuten, halbe Stunde. Ja, ich denke auch.
00:01:13: Gucken wir mal, wie es (lacht) rausgeht.
00:01:17: Sabrina Schneider ist inspirierende Autorin, Mentorin, die
00:01:24: ihre Leidenschaft einsetzt in das Leben.
00:01:28: Die ganz bewusst sich für ein erfülltes Leben entschieden hat.
00:01:36: Sie ist aufgewachsen im Familienunternehmen.
00:01:39: Sagst du vielleicht nachher auch ein bisschen was dazu, Automobilindustrie.
00:01:42: Genau. So grober Rahmen.
00:01:43: Richtig, ja.
00:01:44: Und hat sich dann 2016 wirklich dazu entschieden, in
00:01:48: die Berge zu kommen, ins wunderschöne Allgäu in dem Fall,
00:01:51: und ihr eigenes Leben zu führen.
00:01:54: Richtig.
00:01:56: Ihre Buchserie, die haben wir- die Bücher haben wir da.
00:02:03: In der Zwischenzeit sind es zwei.
00:02:07: "Zerdenke nicht dein Leben, lebe es", teilst du wertvolle Einsichten
00:02:12: und praktische Ratschläge.
00:02:14: Also es sind immer wieder Reflexionsfragen drin.
00:02:16: Wie man durch Selbstreflexion und Loslassen innere
00:02:20: Blockaden zu mehr Freiheit und Lebensfreude kommt, gelangt.
00:02:26: Die Werke, darunter "Aufwachen und grenzenlos sein, Leben ist jetzt", ist
00:02:33: mit dem anderen Buch wirklich, ich sage jetzt mal, so ein
00:02:39: Begleiter für dein Leben oder für deinen Weg hin zu dir selber.
00:02:43: Richtig, genau.
00:02:46: Ihr persönlicher Weg spiegelt im Prinzip das, was du in den Büchern auch schreibst.
00:02:52: Ja, alles.
00:02:53: Das heißt, raus aus dem Leben, was nicht dir gehört.
00:02:57: Also das heißt, wo du nicht reinpasst, wo du vielleicht reingedrückt
00:03:01: wurdest oder reingeboren wurdest. Unbewusst.
00:03:03: Unbewusst, genau. Und was dann einfach nicht zu dir passt.
00:03:09: Selbstfindung.
00:03:10: Was macht mich eigentlich als Mensch aus?
00:03:12: Finde ich ein ganz spannendes Thema, schönes Thema.
00:03:16: Und nun: Was mache ich mit meiner Zeit und Lebensenergie?
00:03:22: Also wo investierst du deine Energie?
00:03:23: Was machst du damit?
00:03:25: Ich denke, auch Thema Wertschätzung dir selber gegenüber.
00:03:29: Genau.
00:03:29: Sabrina ermutigt dazu, die eigenen Gedanken und Gefühle zu erkennen,
00:03:35: ohne sich mit ihnen zu identifizieren, um so Raum für wahre Freiheit und
00:03:41: ein Leben in Fülle zu schaffen.
00:03:44: Mit ihrer authentischen und liebevollen Art inspiriert sie viele
00:03:48: Menschen, ihren eigenen Weg zu mehr Klarheit und Erfüllung zu finden.
00:03:54: Richtig. Schön, dass du da bist (lacht).
00:03:55: Dankeschön (lacht).
00:03:56: Also ich freue mich mega auf das Interview heute, weil es,
00:04:02: glaube ich, ein ganz, ganz spannendes Thema ist, Unternehmensnachfolge.
00:04:07: Und dann immer diese Spannung, ja ich- wirklich als Nachfolgerin, ich
00:04:11: muss da rein, weil es wird erwartet, also diese harten Verbindungen und diese-
00:04:18: Erwartungshaltungen, der Gesellschaft auch.
00:04:21: Erwartungshaltungen, der Gesellschaft auch.
00:04:22: Ja, Freunde, Gesellschaft, außen rum, was passiert da?
00:04:24: Und ich würde wirklich gerne mal einsteigen mit deiner persönlichen
00:04:29: Perspektive, die du damals in deiner Entscheidung auch
00:04:32: hattest, wo das so das erste Mal hochkam, wo du gesagt hast: „Nein, das
00:04:38: ist nicht meins.
00:04:39: " Also was ist da so passiert oder was war so deine Sicht der Dinge damals?
00:04:45: Also grundsätzlich war es so, dass mein Körper mir das gezeigt hat, aber
00:04:51: ich nicht auf meinen Körper gehört habe, weil meine Gedanken so laut waren und eben
00:04:56: auch diese unbewusste Einstellung meiner Eltern, der Gesellschaft oder auch Kunden,
00:05:01: die schon lange Jahre Kunden waren, mir immer wieder diese Erwartungshaltung
00:05:07: aufgedrückt haben: „Du musst es ja machen.
00:05:10: Das haben deine Eltern über 35 Jahre aufgebaut.
00:05:13: Das kann doch nicht sein, ne, so.
00:05:14: Das wird als Kind, als Unternehmensnachfolge,
00:05:19: einem über die Zeit so eingetrichtert.
00:05:23: Darf ich ein bisschen ausholen? (lacht)
00:05:27: (lacht) Mach.
00:05:29: Wenn es da ist, dann darf es raus.
00:05:31: Also ich bin ja aufgewachsen- wir haben ein Autohaus damals gehabt.
00:05:38: Ich sage ganz bewusst gehabt.
00:05:40: Und ich bin mit 14 praktisch schon da eingestiegen.
00:05:44: Ich habe da schon ein bisschen so mitgearbeitet, aber es war nie Thema, nie
00:05:49: Thematik, dass ich das irgendwann mal übernehmen sollte.
00:05:52: Ich wollte das eigentlich auch überhaupt nicht.
00:05:54: Also das war gar nicht vorprogrammiert.
00:05:58: Und dann natürlich, ich habe Abi gemacht und bin dann 2007 nach Afrika für
00:06:04: drei Monate, kam wieder zurück mit 19.
00:06:07: Ja, dann war ich zu Hause und ich wusste eigentlich überhaupt nicht, was mache
00:06:11: ich denn jetzt mit meinem Leben? Was fange ich an?
00:06:13: Ich hatte keine Ahnung, soll ich jetzt studieren?
00:06:16: Soll ich eine Ausbildung machen?
00:06:17: Und dann kam eigentlich mein Vater, der gesagt hat: „Mach doch die Ausbildung
00:06:20: bei uns, dann hast du erst mal was.
00:06:22: " Ja, und so bin ich als Automobilkaufrau in das Thema Autohaus
00:06:29: eingestiegen, mit 19.
00:06:31: Habe innerhalb von anderthalb Jahren die Ausbildung gemacht, dann bin ich noch
00:06:36: mal studieren gegangen, alles gemünzt auf Unternehmensnachfolge.
00:06:40: Bin ein Jahr nach USA, also nach Florida, habe da noch mal meinen, IBM hieß das,
00:06:47: glaube ich, International Business Management, gemacht.
00:06:49: Alles aber gemünzt darauf, dass ich eben das Autohaus vielleicht doch
00:06:53: irgendwann wieder übernehme.
00:06:56: Aber es war ein Prozess.
00:06:59: Also Ich kann nicht sagen, zum letzten Mittwoch 8 Uhr, dass das halt eben- da die
00:07:06: Entscheidung getroffen wurde: Ich übernehme das jetzt.
00:07:08: Sondern dieser schleichende Prozess, was ja mit allem im Leben so ist,
00:07:12: hat mich da hingebracht.
00:07:16: Und dann zu deiner ursprünglichen Frage, da haben wir jetzt
00:07:21: ein bisschen ausgeholt, ich habe eigentlich nur gemerkt, also ich habe
00:07:26: fünf Jahre dann vollständig im Autohaus gearbeitet, mit dem Bezug dorthin, das
00:07:32: Autohaus zu übernehmen, aber diese fünf Jahre waren eher von
00:07:36: körperlichen Problemen geprägt.
00:07:38: Und ich bin eigentlich immer wieder weggerannt.
00:07:40: Also ich bin viel reisen gewesen, immer wieder raus da,
00:07:44: habe aber nie auf mich gehört und da fing das an, also so mit Anfang 20, dass
00:07:51: ich halt eben diese körperlichen Probleme bekommen habe.
00:07:55: Ist auch, ich sage mal- um da die Hörer mal abzuholen, körperliche
00:07:59: Probleme und seelischer Zustand, emotionaler Zustand ist halt gekoppelt.
00:08:03: Richtig, genau.
00:08:03: Also der Körper ist unser Resonanzorgan oder unsere innere Stimme.
00:08:08: Also wenn wir körperliche Wehwehchen haben, da gibt es ja wunderschöne Bücher
00:08:13: auch darüber, über die seelischen Auswirkungen dahinter.
00:08:17: Das heißt, wenn die Seele einen Schmerz hat, wenn das Innerste einen Schmerz hat,
00:08:22: dann schreit eigentlich der Körper, damit der Mensch (lacht)-
00:08:25: Sich wahrnimmt.
00:08:26: Genau, wenn das Wesen schreit (lacht), dann schreit der Körper und dann-
00:08:28: Genau.
00:08:29: -registriert irgendwann mal der Mensch: Okay, sch- mein Körper, irgendwas tut sich
00:08:34: nicht, und dann, ja, darf man hinschauen.
00:08:37: Und ich glaube, das ist auch eine schöne Prägung, hat jetzt mit dem Thema nichts zu
00:08:41: tun, dass wir Menschen dann halt, ja, zu Ärzten gehen und gucken: Okay,
00:08:46: medizinisch, was ist da dahinter?
00:08:48: Und uns- erst relativ spät, wenn es wirklich nicht mehr anders geht,
00:08:52: dann zu einem Punkt kommen, und das war ja bei dir früh mit Anfang 20, andere, ja,
00:08:57: rennen durchs Leben und dann kommt das viel, viel spät, also
00:09:01: eigentlich eine wunderschöne Entwicklung, diese Körperresonanz wirklich wahrzunehmen
00:09:09: und reinzuspüren und dann entsprechend zu handeln.
00:09:12: Richtig, genau.
00:09:13: Aber da waren halt eben über, ich sage mal, drei Jahre, so die letzten drei
00:09:17: Jahre, meine Gedanken viel zu laut.
00:09:19: Also ich habe nur die Aufmerksamkeit in meinen Kopf gelenkt, zu diesen unbewussten
00:09:25: Erwartungshaltungen, das Autohaus zu übernehmen.
00:09:29: Aber letztendlich bin doch, wie du sagst, zu jedem Arzt gerannt.
00:09:33: Ich war sogar am Ende im CT, weil die gedacht hätten, ich hätte irgendwas
00:09:37: im Gehirn, aber es war nicht so.
00:09:39: Also ich habe Akupunktur gemacht, ich habe so viele Sachen ausprobiert,
00:09:43: es hat nichts geholfen.
00:09:44: Und hätte ich mal wirklich in mich tief reingehört, was ich ja
00:09:48: schlussendlich auch gemacht habe, hätte ich auch erkannt, was das Thema war,
00:09:52: aber ich wollte nicht ehrlich zu mir selbst sein.
00:09:55: Und das ist halt häufig das Thema, was wir nicht machen, eben nicht
00:10:00: ehrlich zu uns zu sein.
00:10:03: Ich habe einen ausschlaggebenden Moment in meiner Wohnung mit Blick über die ganze
00:10:10: Stadt, eine Eigentumswohnung gekauft.
00:10:11: Ich hatte jeden Tag ein Auto, mir ging es gut.
00:10:14: Ja, eigentlich hatte ich alles und ich stand vor dem Spiegel, das weiß ich nicht
00:10:18: noch genau wie heute, habe nur zu mir gesagt: „Sabrina,
00:10:23: was macht dich denn eigentlich glücklich?
00:10:24: " Und das war so dieser ausschlaggebende Moment.
00:10:28: Wenn du Fragen stellst kommt ja auch irgendwas zurück.
00:10:32: Und ja, und da wurde dann- eigentlich ist so die Entscheidung dann gefallen, ne, ich
00:10:36: mache das jetzt nicht mehr oder gehe nicht mehr weiter den Weg.
00:10:40: Ja, schon allein, also da kommen wir gerne noch mal drauf zu, allein, wenn du diesen
00:10:44: Impuls hast und dann dir selber diese Frage stellst, dann bringst du
00:10:48: ja auch schon was ins Rollen. Richtig, genau.
00:10:51: Lass uns gerne noch mal ein Schrittchen zurückgehen, und zwar diese Erwartungen.
00:10:56: Die Frage: Warum bist du aus diesem Konstrukt erst so, ich sage jetzt mal,
00:11:00: nach drei, vier Jahren rausgekommen und nicht früher?
00:11:02: Was war so diese Hemmschwelle, nenne ich es mal, also diese
00:11:07: Blockade, zu sagen: „Hey, nein, es passt nicht zu mir.
00:11:13: " Also was hat dich gehalten, ich sage jetzt mal, Erwartungen von den
00:11:16: Eltern, gesellschaftliche Erwartungen.
00:11:18: Ich weiß nicht, was es bei dir in deinem Fall war.
00:11:23: Was hat dich gebremst?
00:11:24: Weil ich glaube nämlich, dass dein Fall jetzt nicht ein Einzelfall ist, sondern
00:11:28: ganz oft kommt und ich sage mal, Scham den Eltern gegenüber, ich weiß es nicht.
00:11:33: Was war es bei dir?
00:11:35: Also Schamgefühl war das jetzt nicht direkt.
00:11:38: Ich hatte schon diese Gedanken, Erwartungen: Du musst das jetzt
00:11:43: machen, und meine Mama war da auch immer sehr offen.
00:11:47: Die hat uns Kinder immer rennen lassen.
00:11:49: Die hat gesagt: „Macht, was euch glücklich macht", und die hat das auch
00:11:51: immer schon gespürt bei mir.
00:11:53: Und sie war auch immer so ein bisschen schon der, ich sage mal, ausschlaggebende
00:11:58: Punkt, um mich selbst zu erkennen, ne, also mich auch zu reflektieren.
00:12:04: Aber es ist halt- also ich glaube, wir brauchen oft
00:12:10: eine gewisse Zeit, um uns wirklich dadurch selbst zu erkennen auch, dass
00:12:15: eben unser Körper schreit, ne, oder halt eben, ja, wir
00:12:19: den gesellschaftlichen Erwartungen gar nicht entsprechen müssen, weil wir
00:12:24: wissen das ja teilweise gar nicht.
00:12:26: Alsoes ist ja wirklich so, dass diese Unbewusstheit, dass wir jetzt auch
00:12:31: in die Berge ziehen können, das prägt uns Menschen ja irgendwo
00:12:36: durch unsere Erfahrungen und so weiter.
00:12:38: Und das war mir ja erst mal überhaupt nicht klar.
00:12:41: Und bei mir war eigentlich das Thema über diese längere Zeit, dass ich
00:12:47: so körperliche Probleme hatte.
00:12:49: Und das hat mich wirklich dann, wo ich dann schlussendlich im CT war, wirklich
00:12:53: dazu gebracht, zu hinterfragen: Hey, was ist denn da los mit dir?
00:12:58: Also das war eigentlich so dann, also ich sage mal, der Schmerz muss immer erst
00:13:03: groß genug sein, dass man auch eine Veränderung eingeht.
00:13:06: Also Schmerz gehört ja zu uns dazu, Leid, ne so.
00:13:09: Aber erst durch diesen Schmerz lernen wir ja,
00:13:14: können uns selbst erkennen, wenn wir uns dessen halt eben bewusst sind.
00:13:17: Und mir hat ja niemand gesagt: „Ja, Sabrina, ja, warum triggert
00:13:20: das dich denn und das?
00:13:22: Und warum, hä, was ist denn los?
00:13:24: " Und das hat ja niemand zu mir gesagt.
00:13:26: Ich musste ja mich selbst darin erkennen.
00:13:29: Heute gibt es ja genug Menschen, die halt eben sich mit den Themen befassen.
00:13:33: Ne, also was dich triggert in deiner Außenwelt ist dein Thema.
00:13:37: Und das war mir ja nie bewusst.
00:13:40: Und so kam eigentlich eher, wie gesagt, durch diesen extremen Schmerz erst
00:13:46: dieser Kipp, eine Veränderung einzugehen.
00:13:49: Ja, es sind im Prinzip die Momente, wo du, ja, vor einer Entwicklungsstufe stehst.
00:13:54: Da wird es erst mal anstrengend und dann kommt die Stufe.
00:13:56: Genau.
00:13:56: Es gibt entweder das Thema Schmerz oder das Thema Erkenntnis, dass
00:13:59: du einfach sagst: „Ah! " (lacht), da geht ein Glühbirnchen auf.
00:14:05: Und ich glaube aber, dass es wirklich dieses- ich weiß nicht, wie es dir heute
00:14:11: geht, aber bei mir ist so: Schmerz eigentlich weniger.
00:14:14: Es ist wirklich eher so: Ah, okay, das funktioniert nicht.
00:14:19: Das ist "der richtige Weg" oder das passt zu mir.
00:14:23: Also eher so, es verändert sich.
00:14:25: Ne, am Anfang ist so- tut es mehr weh, und irgendwann spürst du tief rein und
00:14:31: denkst so: Spannend.
00:14:32: Wie haben sich denn deine Eltern gefühlt?
00:14:35: Also du hast gesagt, deine Mama hat schon immer dich so ein bisschen unterstützt
00:14:39: und, ne, hat dich gesehen, wie du wirklich bist.
00:14:44: Wie ging es deinem Papa dabei?
00:14:47: Also mein- also es ist wirklich so klassisch bei uns zu Hause.
00:14:50: Mein Papa ist schon ein sehr extremer Kopfmensch.
00:14:54: Klar, Führung.
00:14:55: Wir hatten nie eine hohe Fluktuation im Autohaus.
00:14:58: Mitarbeiter waren immer bei uns.
00:15:00: Das war ein gutes Zeichen auch, dass mein Vater halt einfach eine
00:15:04: sehr gute Führungskraft war.
00:15:07: Hat halt viel mit dem Kopf zu tun, ist einfach so.
00:15:10: Grenzen aufzuzeigen, zu sagen, wo es lang geht.
00:15:13: Ne, also so dieses Thema, aber auch sehr autoritär.
00:15:16: Also das heißt, nicht so richtig auf Augenhöhe, ne,
00:15:19: sondern schon eher noch dieses alte System.
00:15:23: Und ich bin ja so aufgewachsen.
00:15:25: Also das heißt erst mal, ja, halt Kopf vom Vater und Herz von der Mutter.
00:15:31: Aber es ist ja alles in Balance.
00:15:33: Das heißt, auch zu einem Mann gehört das Herz und auch zu einer Frau gehört
00:15:37: Grenzen zu ziehen, der Kopf, ne, so.
00:15:39: Wissen wir ja heute, wenn wir uns mit dem Thema befassen.
00:15:43: Und das Schöne war,
00:15:47: dadurch, dass ich gegangen bin damals, hat es, ich glaube, noch ein Jahr oder
00:15:52: zwei Jahre gedauert und meine Eltern haben sich auch gegen das Autohaus entschieden.
00:15:56: Das heißt, die haben sich selbst auch reflektiert wird und für sich erst mal
00:16:02: gesehen: Krass, es geht ja auch anders.
00:16:06: Und dann sind die natürlich- also ich komme aus dem Frankfurter Raum,
00:16:09: Wiesbadener Raum, Metropolen-Thema.
00:16:13: Bin zwar auf dem Dorf aufgewachsen, aber wie gesagt, Städtethema.
00:16:17: Und dann bin ich hier 450 Kilometer weiter ins Allgäu gezogen.
00:16:21: Ganz andere Welt, andere Energie.
00:16:24: Und meine Eltern sind mich natürlich besuchen gekommen und so konnten die
00:16:27: sich ja selbst auch hinterfragen.
00:16:30: Es war halt schön, weil sie mitgegangen sind.
00:16:33: Das ist eigentlich der ausschlaggebende Punkt.
00:16:37: Ich sage mal, ich glaube, das war sehr leicht bei uns.
00:16:44: Auch wenn es manchmal ein bisschen komisch war, weil ich glaube, mein Vater hatte
00:16:49: schon die Erwartungshaltung, dass ich das übernehme.
00:16:51: Bei meinem Bruder war das nie so richtig Thema.
00:16:54: Also ist noch mal vier Jahre jünger wie ich, aber irgendwie- ich war immer
00:16:57: schon mehr im Autohaus mit dabei.
00:17:00: Und, ja, und auch die Mitarbeiter lagen auch mir sehr am Herzen.
00:17:04: Das ist natürlich auch so ein Ding.
00:17:06: Wie hinterlässt du das alles?
00:17:07: Ein superschönes Autohaus, immer gepflegt.
00:17:11: Ja, es war schon erst mal komisch, aber die
00:17:17: Entscheidung, ins Allgäu zu ziehen oder in die Berge zu ziehen, das
00:17:21: war eigentlich so der Punkt.
00:17:25: Was hat es- also hört sich auf jeden Fall definitiv leicht an,
00:17:28: auch durch, denke ich mal, deine sehr, sehr klare Entscheidung, zu sehen:
00:17:33: Okay, nein, das passt nicht.
00:17:34: Ich muss leiden, also über die körperlichen Leiden.
00:17:37: Was, ja, ich sage mal, hat dazu beigetragen, dass es so leicht ist?
00:17:44: War es deine Perspektive auch für deine Eltern, also so das Verständnis gegenüber
00:17:47: deinen Eltern, dass die natürlich den Wunsch haben
00:17:50: oder vor allem dem Vater gegenüber?
00:17:52: Oder warum ist deiner Meinung nach, ja, ist es so leicht gefallen?
00:17:58: Ja, also wie ich ja schon gesagt habe, meine Mama, sehr
00:18:01: herzlicher Mensch, die hat uns immer schon unterstützt.
00:18:04: Also auch mich dann, kam zu mir, mich hinterfragt: „Sabrina, ist
00:18:09: das wirklich was für dich?
00:18:10: " Und noch mal, es ist ein Prozess und meine Mama hat ja auch
00:18:15: mit meinem Vater geredet. Da muss ja auch was passiert sein.
00:18:19: Und ich glaube, mein Vater, der konnte sich dann auch schon darauf vorbereiten.
00:18:23: Und ich weiß noch genau, ich bin zu denen ins Büro gegangen, an einem Morgen, habe
00:18:27: die beide geholt und habe gesagt: „Hier, ich mache das nicht.
00:18:30: " Also es war wirklich so eine richtige Aussage von mir: „Ich möchte die
00:18:35: Unternehmensnachfolge nicht antreten.
00:18:36: " Und auch das- war ja dann wieder ein Prozess angestoßen.
00:18:41: Es ist keiner irgendwie laut geworden, gar nicht.
00:18:45: Ja, und meine Mama war, glaube ich, immer so dieses Bindeglied.
00:18:47: Also sie konnte das immer ganz gut auffangen.
00:18:50: Ja, und so bin ich eigentlich dann da raus.
00:18:54: Ich bin dann auch nicht mehr groß, glaube ich, ins Autohaus die Zeit danach.
00:18:57: Also es ging dann recht schnell alles.
00:18:59: Ist ja meistens so, dass dann zack, zack, zack, alles dann so einfach geht.
00:19:04: Aber ich hatte tatsächlich anderthalb Jahre hier unten mit mir zu kämpfen.
00:19:09: Also dieses Loslassen, die Entscheidung treffen ist ja alles schön und gut, aber
00:19:13: das Loslassen dann, das war halt ein Kampf.
00:19:17: Also das muss ich schon sagen, da habe ich sehr viel mit mir selbst
00:19:20: innerlich gekämpft.
00:19:21: Was waren da so die Themen?
00:19:24: Weil ich glaube, wenn du wirklich so eine Entscheidung triffst und außen, ich
00:19:27: sage jetzt bewusst, aus dem System ausbrichst, also rausgehst, ein
00:19:32: System verlässt, dann kommen unterschiedliche Gefühle hoch.
00:19:39: Man verliert ja eine Bindung, die man vorher hatte, man ist alleine.
00:19:44: Was waren so die Themen, die da die eineinhalb Jahre hochkamen?
00:19:48: Was waren so die Herausforderungen nach der Entscheidung?
00:19:51: Also ich hatte weder Schamgefühle, Schuldgefühle schon eher.
00:19:57: Also ich glaube, das war schon eher Thema immer, aber
00:20:01: ich bin jetzt noch nie so ein Mensch gewesen, der sich irgendwie
00:20:05: super schuldig gefühlt hat.
00:20:06: Es war schon irgendwie da, aber irgendwie auch nicht, weil die Entscheidung war ja
00:20:10: gefallen und dann war für mich auch klar: Okay, ich gehe, aber dieser Schmerz von
00:20:15: dieser ganzen Identifikation zu Hause, also ich habe ja wirklich alles
00:20:20: aufgegeben, Freunde, alles, so weg, und bin in ein ganz neues Umfeld rein.
00:20:26: Dieser Schmerz, dieses, ja, ich muss die jetzt alle gehen lassen, also Mama und
00:20:30: Papa, aus dem Nest raus und oh Gott.
00:20:32: Das war, glaube ich, dieses Schmerzhafte, dieses Alleine-Sein, so
00:20:38: komplett, alleine einfach.
00:20:41: Ja, ich glaube, das war der größte Schmerz für mich.
00:20:45: Was war denn so der größte Benefit für dich?
00:20:50: Also wenn du jetzt einfach zurückblickst, ist ja schon ein paar Jahre her jetzt, wo
00:20:54: sagst du, aufgrund deiner Entscheidung und diesem ganzen Prozess,
00:20:58: was war für dich und vielleicht auch für deine Eltern, so die
00:21:03: ein, zwei, drei Benefits, wo du sagst, deswegen war die Entscheidung gut,
00:21:08: beziehungsweise würdest du das jedem empfehlen, einfach zu
00:21:12: hinterfragen, hinterspüren, also wahrzunehmen, ob es
00:21:16: wirklich eine Unternehmensnachfolge sein darf?
00:21:19: Kann ja manchmal passen.
00:21:21: Also ich kenne viele Fälle, die gehen komplett auf.
00:21:23: Aber es gibt auch den Fall, wo es nicht passt.
00:21:27: Also was war so der Benefit für dich und für deine Eltern?
00:21:30: Also da fällt mir ein Wort ein, das nennt sich Freiheit.
00:21:33: Weil wir haben uns, war uns auch wieder nicht bewusst,
00:21:37: über Jahre halt einen Käfig aufgebaut.
00:21:39: Es war schon der damalige Gedanke von meinem Vater, das
00:21:43: Autohaus zu übernehmen, aber es war halt sein Traum und nicht meiner.
00:21:46: Und das ist halt der hauptausschlaggebende Punkt, ne, dass wir diese Freiheit im Kopf
00:21:51: hatten, nicht mehr die Verantwortung für 30 Leute zu tragen, für das Gebäude, für
00:21:58: die Hersteller, die als irgendwas von uns verlangt haben.
00:22:00: Ne, also da sind ja so viele Dinge, so viele Gedanken
00:22:04: da, die dich nicht nur tagsüber, sondern auch nachts beschäftigen.
00:22:08: Und das ist so, glaube ich, auch für meine Eltern, ich merke das auch an meinem
00:22:12: Vater, super herzlich geworden.
00:22:15: Ne, also diese Balance ist da reingekommen.
00:22:19: Und das hat sich da halt also für mich, für unsere Familie generell, das
00:22:24: war eine Befreiung pur.
00:22:26: Also ich kann das nur so sagen.
00:22:27: Wir haben zwei Marken gehabt, ich nenne die auch nicht.
00:22:30: Es war wirklich exklusiv und essentiell und wie auch immer für
00:22:37: unser Leben, Lebensunterhalt, aber ja.
00:22:39: Wir haben alles verkauft, Haus weg.
00:22:42: Das Gebäude haben wir noch, wir haben es auch verpachtet.
00:22:44: Es ist wieder ein Eigentümer vom Autohaus drinnen, gehört aber- das Gebäude uns.
00:22:48: Und meine Eltern haben sich ein Wohnmobil gekauft und fahren damit
00:22:52: durch Europa, also Freiheit.
00:22:55: Ja, und das ist dann Freiheit pur, ja.
00:22:58: Genau. Ja, mega.
00:22:59: Vielen, vielen Dank. Gerne.
00:23:02: Du kennst es, ich habe es dir vorher schon kurz verraten, Thema Denkzettel (lacht).
00:23:06: Ja.
00:23:06: Das heißt, ihr kennt es auch, dass quasi am Ende von
00:23:11: einer wundervollen Folge so ein kleiner Denkzettel kommt für euch, wo ihr
00:23:16: heute von der Sabrina bekommt.
00:23:18: Das heißt, was wäre so, ja, für den Unternehmer, für die
00:23:23: Unternehmerin, die jetzt gerade vielleicht die Unternehmensnachfolge plant,
00:23:28: organisiert, mit der Nachfolgerin oder Nachfolger, also mit
00:23:34: den Kindern, und einfach sich die Gedanken macht: Was wären so Impulse, die
00:23:41: du quasi mitgeben möchtest, die ein, zwei, drei Impulse, wie
00:23:45: man mit so einer Situation dann wirklich offen, ehrlich umgeht,
00:23:49: muss ja nicht sein, dass so ein Unternehmen verkauft wird oder dass man
00:23:52: einen Rahmen schafft, der für alle völlig in Ordnung ist.
00:23:54: Genau. Das wäre mega.
00:23:57: Also wichtig ist zu wissen, es gibt immer eine Lösung, immer.
00:24:03: Und wir können nicht immer alles richtig machen, das ist auch klar,
00:24:08: aber wir können uns hinsetzen und freundlich und nett miteinander reden.
00:24:12: Und Kommunikation ist so ein wichtiges Tool, was ich immer wieder auch selbst
00:24:18: feststellen musste, dass wir nutzen können, auf eine Weise
00:24:23: nicht verletzend zu sein, sondern eben zu sagen, wie wir uns fühlen.
00:24:27: Wir müssen nicht die Schuld anderen zusprechen, sondern einfach
00:24:31: sagen, wie wir uns fühlen.
00:24:32: Und ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Aspekt gegenüber den Eltern, wenn man die
00:24:37: Unternehmensnachfolge nicht antreten möchte.
00:24:40: Ja.
00:24:40: Sich zu hinterfragen, ganz bewusst die Frage zu stellen:
00:24:47: Was macht mich glücklich?
00:24:48: Ist das wirklich das, was ich will oder das, was meine Eltern wollen,
00:24:53: die Gesellschaft, die Kunden?
00:24:56: Also das sind, glaube ich, so zwei ganz wichtige Aspekte, Kommunikation
00:25:01: und eben diese Reflexionsfrage: Will ich das oder andere?
00:25:06: Das würde ich so als Denkzettel mitgeben, weil es einfach Freiheit bringen kann.
00:25:14: Ja, cool, dankeschön.
00:25:16: Dann würde ich mal die Folge so ein bisschen zusammenfassen.
00:25:19: Ich glaube, das Thema Unternehmensnachfolge insgesamt ist ein
00:25:23: sehr komplexes, ein sehr spannendes Thema.
00:25:27: Ich habe vorher so den Gedanken gehabt, nicht jeder Deckel passt auf jeden Topf.
00:25:33: Das heißt, es kann natürlich sein, dass die Kinder da super reinwachsen und sich
00:25:38: komplett erfüllen und frei sind und glücklich sind.
00:25:43: Aber es kann halt auch- und fühlen, ja.
00:25:45: Aber es kann natürlich auch andersherum sein, dass die Kinder eigentlich gar nicht
00:25:48: da rein wollen und es tun, weil sie bestimmte Erwartungen erfüllen wollen.
00:25:53: Und da jetzt wirklich ehrlich, offen hinzuschauen, ohne jetzt
00:25:59: ein Ego zu haben, ohne den Geist, den Kopf zu verkopfen, so einfach mal
00:26:05: reinzuspüren, ob das wirklich, ja, für das Kind
00:26:09: das Richtige ist, der richtige Weg ist oder ob es der Wunsch des
00:26:15: Unternehmers, der Unternehmerin ist, die Nachfolge so regeln zu wollen.
00:26:19: Also ein Familienunternehmen erhalten zu wollen ist sicherlich was
00:26:24: Gutes, aber es passt halt nicht immer.
00:26:26: Und, glaube ich, ein ganz spannendes Thema.
00:26:30: Offen, ehrlich in die Kommunikation zu gehen und sagen: „Hey,
00:26:33: was hast du denn vor?
00:26:35: Ne, also was ist dein Weg?
00:26:36: " Also die Kinder zu begleiten und mal anzustupsen, zu hinterfragen
00:26:41: und sich selber auch hinterfragen.
00:26:45: Ich möchte dich an der Stelle ganz herzlich einladen.
00:26:48: Wir haben zwei wunderschöne Bücher da und die Sabrina war so freundlich und hat
00:26:56: uns fünf Bücher zur Verfügung gestellt.
00:26:59: Das heißt "Zerdenke nicht dein Leben, lebe es".
00:27:02: Ich möchte dich einladen.
00:27:05: Schreib mir deine Meinung, schreib uns deine Meinung.
00:27:09: Du findest einen Link in den Shownotes.
00:27:12: Und wenn du dein Buch haben möchtest, die ersten fünf kriegen ein Buch,
00:27:17: die sagen: Ja, ich will das Buch haben, dann schicken wir das gerne zu.
00:27:22: Wenn du das Buch haben möchtest, denk bitte daran, wenn du mir
00:27:26: einen Kommentar schreibst, dass du logischerweise mir dann auch deine Adresse
00:27:30: schickst, damit ich dann auch weiß, wohin das Buch gehen darf.
00:27:35: Ich danke dir von Herzen, dass du heute da warst (lacht).
00:27:37: Danke dir ebenso.
00:27:39: Ich danke euch, dass ihr zugehört habt und freue mich, wenn ihr in der nächsten
00:27:44: Folge auch wieder dabei seid.
00:27:47: Bis dann, tschau.
00:27:49: Tschau.
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